Ein zweiter EU-Mechanismus für Emissionen in der Seeschifffahrt hat nun seinen ersten echten Zyklus abgeschlossen, neben dem bekannteren EU-ETS. FuelEU Maritime (Verordnung (EU) 2023/1805) gilt für alle Handelsschiffe über 5.000 Bruttoraumzahl, die EU-/EWR-Häfen anlaufen, und setzt anders als die ETS-Obergrenze für CO₂-Zertifikate einen sinkenden Grenzwert für die Treibhausgasintensität des tatsächlich verbrannten Kraftstoffs.
Was gerade passiert ist
Die Regel gilt seit dem 1. Januar 2025, mit 2025 als erstem Zieljahr: Schiffe mussten ihre Well-to-Wake-Treibhausgasintensität um 2 % unter eine Basislinie von 2020 (91,16 gCO2e/MJ) senken — ein Ziel, das bis 2030 auf 6 %, bis 2035 auf 14,5 % und bis 2050 auf 80 % steigt. Betreiber mussten ihre ersten Jahresberichte, die diese Leistung für 2025 abdecken, bis zum 31. Januar 2026 einreichen. Dieser erste vollständige Berichts- und Verifizierungszyklus für 2025 liegt nun hinter uns.
Ein verfehltes Ziel kostet echtes Geld
Ein Schiff, das sein Treibhausgasintensitätsziel verfehlt, schuldet eine Strafe von rund 2.400 € pro Tonne Energie in VLSFO-Äquivalent, die es über dem Grenzwert liegt. Reeder haben mehrere Möglichkeiten, das zu vermeiden — Beimischung von gebrauchtem Speiseöl oder anderem Kraftstoff mit geringerer Intensität, "Leihen" gegen eine künftige Berichtsperiode (mit 10 % Aufschlag), oder Pooling über eine Flotte, bei dem der Überschuss eines Schiffs das Defizit eines anderen ausgleicht — aber wo das Defizit nicht gedeckt wird, landen die Kosten als neue Zuschlagsposition auf der Frachtrechnung, getrennt vom bestehenden EU-ETS-Zuschlag.
Nicht dasselbe wie das EU-ETS
Die beiden werden leicht verwechselt, sind aber unabhängige Mechanismen, die sich auf derselben Reise stapeln: Das EU-ETS bepreist die tatsächlichen CO₂-Emissionen über handelbare Zertifikate (jetzt zu 100 % eingephast für 2026), während FuelEU Maritime die Treibhausgasintensität des Kraftstoffs bepreist, unabhängig vom Kohlenstoffmarktpreis. Beide können als getrennte Positionen auf demselben Angebot erscheinen.
Was das für Sie bedeutet
Zeigen Ihre Seefrachtrechnungen einen neuen Posten neben dem vertrauten BAF und dem EU-ETS-Zuschlag, ist das sehr wahrscheinlich die Erklärung. Wo das unter all den anderen Frachtzuschlägen einzuordnen ist — BAF, CAF, THC, Demurrage und das EU-ETS: Wie Fracht bepreist wird.
Quellen: Europäische Kommission — FuelEU Maritime · ShipFinex — FuelEU Maritime compliance costs and penalties.